SILBERPLAKETTE INTERNATIONALER PREIS DER ALPENSOLIDARITÄT VON PINZOLO

In den Gebirgsregionen gibt es endemische Werte und Gepflogenheiten, die ein typisches und unnachahmliches Charakteristikum darstellen. Zu diesen Werten zählt auch die Solidarität, die vor allem bei jenen Menschen im Vordergrund steht, die in den Bergen geboren werden und auch weiterhin dort leben.
Die Korrelation zwischen dem Umfeld und den Werten entwickelt sich automatisch.  Wenn das Leben im Gebirge schwierig wird, versucht man erfahrungsgemäß alles zu geben, doch dabei erkennt man die Grenzen und die Unzulänglichkeit des Menschen angesichts von Herausforderungen, die er alleine nicht bewältigen kann.
Der Geist der Solidarität entsteht durch diese unvermeidbare Unterlegenheit des Menschen gegenüber der Natur, die zwar großzügig aber auch unnachsichtig ist, jeden Tag aufs Neue.
Das gilt für die täglichen Anstrengungen jener, die in Gebirgsregionen leben und arbeiten, aber auch für jene, die von weit her kommen und mit dem Eispickel oder auf Skiern die Herausforderung suchen, sich mit der anziehenden und faszinierenden Natur zu messen.
Im Bedarfsfall äußert sich die Solidarität der Gebirgsregionen dadurch, dass sich viele Menschen mobilisieren lassen, um in Not geratenen Menschen zu Hilfe zu kommen.
In Pinzolo spiegelt sich diese Solidarität seit 36 Jahren in einem Festtag wider, an dem diese Helden aus aller Welt gefeiert werden.
Bei dieser Veranstaltung feiert man nicht nur einzelne Akte der Solidarität sondern auch den Verdienst all jener, die seit Jahren mit ihren Hilfsleistungen für das Wachstum und die Konsolidierung einer Tradition sorgen, um die die Gebirgsregionen - vor allem Trentino - oftmals beneidet werden.
Pinzolo ist jedoch nicht zufällig Schauplatz dieser Veranstaltung.
In dieser Gegend ist die Solidarität tief verwurzelt und kann sich einer jahrelangen Geschichte rühmen, die von Hunderten von Hilfe leistenden Menschen geschrieben wurde, die sich bei Tag und bei Nacht, unabhängig von den äußeren Bedingungen und ohne Mühen und Risiken zu scheuen, auf den Weg machten, um in Not geratenen Menschen zu helfen.
In den langen Jahren, in denen ich als Journalist in der Redaktion der Tageszeitung “Adige” von Trento arbeitete, wurde ich einige Male Zeuge, wie aus dem Gebiet Pinzolo Alarm geschlagen wurde, weil sich auf der Brenta wieder einmal ein Tourist verirrt hatte. Der pflichtbewusste Verantwortliche, Eugenio Ferrari, nannte immer die Namen der Leute, die Teil des Rettungsteams waren. Es hatte den Anschein, als wären es immer dieselben - und teilweise war es auch so. In Wahrheit handelt es sich um Familien, die ihre Solidarität von Generation zu Generation weitergaben: die Binellis, die Brutis, die Ferraris, die Masés…
Die Solidarität ist also eine Familientradition und stellt daher einen universellen und immer währenden Wert dar.
Auch die Tradition ist ein wichtiger Wert, um den Geist der Solidarität zu erhalten, da dieser von einem persönlichem Engagement zu einem nachvollziehbaren Gefühl und einem starken Charakteristikum wird, welches das Bild und die Geschichte eines Volkes für immer prägt.